Wenn die Sehstärke schwankt und was das mit der Sicht auf das Leben zu tun hat
Vor einiger Zeit habe ich hier auf dem Blog ein Interview mit einem Optiker veröffentlicht. Er hat erklärt, weshalb sich die Sehstärke in den Wechseljahren verändern kann.
Hormonell bedingt, durch Veränderungen im Tränenfilm, durch Schwankungen im Gewebe, durch Stoffwechselprozesse.
Das Wissen wirkt beruhigend.
Nun saß ich neulich wieder beim Optiker. Die dritte Brillenanpassung in drei Jahren.
Obwohl ich vieles weiß, kam die Frage in mir auf: Was ist eigentlich los mit mir?
Wenn die Sehstärke schwankt
Vielleicht nochmal kurz zur Einordnung, ohne Dramatisierung.
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dieses Hormon wirkt nicht nur auf den Zyklus. Es beeinflusst zahlreiche Prozesse im Körper, auch am Auge.
Mögliche Folgen können sein:
Der Tränenfilm wird instabil. Trockene Augen entstehen.
Die Linse verliert an Elastizität. Nah und Fernsicht verändern sich.
Wassereinlagerungen schwanken. Die Sehstärke variiert.
Stresshormone beeinflussen die Muskelspannung. Fokussieren wird anstrengender.
Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn sich die Sehstärke innerhalb kurzer Zeit mehrfach verändert.
Es ist kein Zeichen dafür, dass etwas grundsätzlich nicht stimmt.
Es ist der Ausdruck hormoneller Dysbalancen.
Dies ist ein Blickwinkel auf die körperliche Seite. Jedoch ist sie damit noch nicht ganz geklärt.
Wenn der Blick unscharf wird
Unsere Augen sind mehr als Sinnesorgane.
- sie geben Orientierung
- sie vermitteln Sicherheit
- sie helfen, Situationen einzuordnen und Zukunft zu planen
Verändert sich der Blick, reagiert nicht nur das Auge. Auch das innere Sicherheitsgefühl kann ins Wanken geraten.
Viele Frauen beschreiben in dieser Phase ähnliche Erfahrungen:
- ich erkenne mich selbst nicht wieder
- ich kann mich schwerer konzentrieren
- ich stehe manchmal neben mir
- meine Zukunft wirkt weniger klar
Der Begriff Brain Fog wird häufig verwendet. Er beschreibt nicht nur das Gefühl von Watte im Kopf, sondern ein subjektives Erleben von Unschärfe.
Hier entsteht eine Verbindung zwischen körperlicher Wahrnehmung und innerer Orientierung.
Eine Phase der neurologischen Neuordnung
Die Wechseljahre sind nicht nur ein hormoneller Übergang. Sie betreffen auch das Gehirn.
Das Gehirn passt sich an veränderte Hormonspiegel an.
Stressverarbeitung verändert sich.
Bewertung von Prioritäten verschiebt sich.
Belohnungssysteme reagieren anders.
Was früher selbstverständlich klar war, kann sich zeitweise undurchsichtig anfühlen.
Nicht als Zeichen von Abbau, sondern als Ausdruck einer Anpassung.
Wenn zusätzlich die Sehstärke schwankt, verstärkt sich leicht das Gefühl, den Überblick zu verlieren.
Vielleicht geht es jedoch nicht darum, den Durchblick zu verlieren.
Vielleicht verändert sich lediglich die Perspektive.
Weshalb sich diese Zeit wie Nebel anfühlen kann
Zwischen 40 und 50 verändert sich nicht nur der Körper.
- Kinder werden selbstständig.
- Eltern benötigen Unterstützung.
- Berufliche Fragen tauchen neu auf.
- Eigene Bedürfnisse rücken stärker in den Vordergrund.
Das Gehirn bevorzugt Stabilität. Übergangsphasen jedoch bringen Bewegung.
Bewegung erzeugt nicht immer sofort Klarheit. Manchmal entsteht dadurch Unschärfe.
Nicht weil etwas falsch läuft, sondern weil sich etwas neu ausrichtet.
Klare Sicht beginnt nicht bei der Brillenstärke
Meine dritte Brillenstärke liegt zwischen der ersten, die zu stark war, und der zweiten, die zu schwach erschien.
Dieser Gedanke ließ sich auf mein Leben übertragen.
Der Wunsch nach maximaler Schärfe war groß. Kontrolle, Leistungsfähigkeit und die Klarheit von früher.
Möglicherweise ist das nun nicht mehr die zentrale Aufgabe dieser Lebensphase.
- Vielleicht geht es nicht darum, die alte Schärfe wieder zu bekommen.
- Vielleicht geht es darum sich bewusst zu fokussieren.
- Vielleicht geht es darum, nicht alles sehen zu müssen und wählen zu dürfen, worauf der Blick gerichtet werden darf.
Die folgenden Zahlen wirken nüchtern. Sie helfen jedoch, das Erlebte einzuordnen.
5 Zahlen, die den „Nebel“ verdeutlichen
rund 66 %
So viele Frauen berichten in der Perimenopause über Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme oder mentale Unschärfe.
10 bis 15 % weniger Energie
In der Perimenopause sinkt der Glukosestoffwechsel in wichtigen Hirnregionen. Betroffen sind unter anderem Bereiche für Gedächtnis und Selbstregulation.
über 60 %
Mehr als jede zweite Frau erlebt Brain Fog. Also das Gefühl, innerlich unscharf zu sein, schlechter fokussieren zu können oder schneller den Faden zu verlieren.
45,8 %
Nahezu jede zweite Frau beschreibt ein vermindertes Selbstwertgefühl in dieser Lebensphase.
50 bis 70 % Reduktion
So stark können sich Hitzewallungen durch klinische Hypnose verringern. Das zeigt: Das Nervensystem bleibt regulierbar.
Quellen: SWAN Study; Mosconi et al. 2017; Weber et al. 2012; MenoSupport-Studie 2024; Elkins et al. 2013.
Was sich daraus ableiten lässt
Wenn die Sehstärke schwankt, wenn der Fokus weniger stabil wirkt, wenn Zukunft nicht mehr so eindeutig erscheint wie früher, dann ist das kein Versagen. Es kann Ausdruck einer neurologischen Übergangsphase sein.
- das Gehirn bleibt anpassungsfähig
- Regulation ist möglich
- Klarheit entwickelt sich
Vielleicht besteht die Aufgabe dieser Zeit nicht darin, alte Schärfe zurückzugewinnen.
Vielleicht geht es darum, bewusster zu wählen, was gesehen werden möchte.
Die dritte Stärke ist nicht die extremste.
Sie kann jedoch die passendste sein und vielleicht ist diese genau ausreichend.
Wenn du dich in vielem wiedererkennst und für dich besser einordnen möchtest, wie stabil sich dein Inneres momentan anfühlt, dann schau dir gern meinen kurzen Test an. Er hilft dir dabei, deine aktuelle Situation etwas klarer einzuordnen.
Hier kommst du direkt zum Test:
